Leistungsanforderung

 

Leistung ist für die meisten Kinder eine wichtige Quelle ihres Selbstwertgefühls. Das Kind braucht die wiederholte Erfahrung, etwas gut gemacht zu haben, bei der Bewältigung von anspruchsvollen Aufgaben erfolgreich gewesen zu sein, um sich als Person positiv zu erleben und damit Selbstachtung aufzubauen.

Um Leistungswillen und Leistungszuversicht aufbauen zu können, brauchen Kinder einen Spiegel dessen, was sie geleistet haben und wozu sie imstande sind.

Unter welchen Bedingungen sind Menschen motiviert etwas zu leisten?

  • - Sie brauchen ein Ziel.
  • - Sie brauchen einen Gütemaßstab, der ihnen sagt, wann sie das Ziel erreicht haben.
  • - Sie müssen bereit sein, sich für das Erreichen des Ziels anzustrengen.

Das Ziel unserer Leistungserziehung besteht darin, das Kind immer aufs Neue herauszufordern und zu ermutigen, sich anspruchsvollen Aufgaben zu stellen, neue Lern- und Arbeitsmethoden auszuprobieren, das erworbene Wissen zu festigen und zu vertiefen und neue Erkenntnisse zu erwerben.

Im Sinne eines pädagogischen Leistungsverständnisses wollen wir

  • - den individuellen Lern- und Entwicklungsprozess beschreiben,
  • - uns an den Grundsätzen des Förderns und Forderns orientieren,
  • - eine förderliche Lernumgebung schaffen,
  • - offen für die Individualität aller Kinder sein,
  • - jedes Kind akzeptieren,
  • - die individuellen Lernvoraussetzungen berücksichtigen,
  • - allen Kindern die Zeit und Hilfe geben, die sie brauchen,
  • - es vermeiden, die Kinder miteinander zu vergleichen und einheitliche Maßstäbe zu   setzen,
  • - uns nicht nur auf kognitive Leistungen konzentrieren,
  • - nicht nur das Produkt, sondern den Prozess in den Vordergrund stellen
  • - ermutigende und lernfördernde Rückmeldungen geben,
  • - förderorientiert sein,
  • - Raum für individuelle Schwerpunkte geben,
  • - Leistungsdruck vermeiden,
  • - den individuellen Lernfortschritt und die Anstrengung hervorheben,
  • - allen Kindern Erfolgs- und Entwicklungschancen geben,
  • - jedem Kind zu Erfolgserlebnissen verhelfen,
  • - die Eltern kontinuierlich einbeziehen,
  • - gerecht sein,
  • - die Freude am Lernen betonen,
  • - lernzieldifferentes Lernen und Selbstdifferenzierung ermöglichen,
  • - den Fehler als eine Lernchance sehen.

Die Entwicklung einer Kultur des Lernens bei anspruchsvollen Leistungserwartungen ist eine wichtige und realistische Zukunftsaufgabe unserer Schule.

Hilfe zur Selbsthilfe bei der Leistungserziehung geben wir als Lehrpersonen dann, wenn wir unsere Leistungserwartungen klar äußern und Anregungen geben, wie das Kind ihnen entsprechen kann, wenn wir ihm deutlich machen, welche Lernwege Erfolg versprechen und wo das Kind sich noch verbessern kann.

Ziel ist es hierbei, an jedes einzelne Kind angemessene Leistungsanforderungen zu stellen.

Der Unterricht kann sich daher nicht am Klassendurchschnitt oder an einer von außen gesetzten Norm orientieren, sondern muss die Ausgangslage und die Möglichkeiten des einzelnen Schülers bedenken, um eine Förderung bis zur individuellen Leistungsgrenze zu ermöglichen.

Die individuelle Lerngeschichte eines Kindes muss so nachgezeichnet werden, dass es sich selbst wieder finden kann:

  • - Wo ist es gestartet?
  • - Welche Fortschritte hat es gemacht?
  • - Wie kann es weitergehen?

Im Sinne einer ermutigenden Leistungserziehung soll der Schüler dabei eine Rückmeldung erhalten, die seine Anstrengung würdigt, die seine Leistung achtet, die gegebenenfalls Schwächen, Rückstände, auch Sorglosigkeiten nennt, zugleich aber Hilfen ankündigt oder gibt und die das Zutrauen in die eigene Leistungsfähigkeit des Kindes stärkt, insbesondere bei misserfolgsängstlichen Kindern.

Unser pädagogischer Leistungsbegriff ist orientiert

  • - am individuellen Lern- und Entwicklungsprozess des Kindes
    • - Unter welchen Bedingungen lernt das Kind?
    • - Wo macht es Fortschritte, wo hat es Schwierigkeiten, wo sind seine Stärken?
    • - Welche Hilfen braucht es?
  • - an der sozialen Dimension des Lernens
    • - Welche Fähigkeiten sozialen Handelns müssen gestärkt werden?
    • - Wie kann das Kind von anderen profitieren?
    • - Wie kann es seine Leistungsfähigkeit wirksamer in die Gemeinschaft einbringen?
  • - an den Grundsätzen des Ermutigens und Förderns
    • - Wie kann der Lehrer dem Kind Mut machen?
    • - Wie kann er Lernfreude und Anstrengungsbereitschaft wecken und steigern?

Leistungsbewertung muss zur Lernhilfe für Kinder und zur Orientierung für Eltern werden.

Gerade die besonderen Konzepte des Förderschulunterrichtes (Lernen des Lernens, Verarbeiten von Umwelterfahrungen, Projektorientierung) verbieten eine schematische Leistungsbewertung. Die dabei zu erbringenden Leistungen sind so komplex, dass sie nicht ohne Informationsverluste mit einer bloßen Ziffernzensur ausgedrückt werden können.

Auch vergleichende Bewertungen werden gebraucht, nicht nur aus Zertifikatsgründen, sondern auch weil sie von den Lernenden selbst gewünscht werden. In einem überschaubaren Kontext und im Bewusstsein der Kontextbedingungen hat die individuelle Zuschreibung von Erfolg und Misserfolg Aussagewert.

In unserer Schule bedeutet das eine Benotung ab Klasse 3.

Die Maßstäbe hierfür ergeben sich aus den einzelnen Fächern:

Deutsch-Unterstufe:

aus den Anforderungen der Leistungsstufe des Kieler Leseaufbaus

  • - Schreiben/Texte erfassen
    • - Diktatnote pro Lesestufe
    • - Schriftliche Note zum Schreibauftrag des zugeordneten Sachkunde-Leitthemas
  • - Sprechen und Zuhören
    • - Note für mündliche Leistungen in jedem Leitthemen-Projekt
  • - Lesen
    • - pro Lesestufe 1 Note für Lesefertigkeit anhand der Wörterliste
    • - 1 Note für sinnentsprechenden Vortrag eines selbstgewählten Textes der Stufe
    • - 1 Note für Erlesen eines Sachtextes des zugeordneten Leitthemas
  • - Sprache und Sprachgebrauch untersuchen
    • - pro Lesestufe 1 Note entsprechend dem zugeordneten Standard

Deutsch-Oberstufe:

Die Klassenkonferenz legt verbindlich zu Beginn des Schuljahres fest, welche verbindlichen Leistungsanforderungen zu erbringen sind.

Mathematik:
  • - aus den Teilschritten des Könnerhefters
  • - Zensurenskala
Sachunterricht/Naturwissenschaften/Gesellschaftswissenschaften:
  • - aus den festgelegten Inhalten der Leitthemenarbeit
  • - Zensurenskala
  • - Könnerhefter
Kunst/Musik:
  • - aus den Schwerpunkten der Kompetenzentwicklung im Könnerhefter
  • - aus den Standards der Leitthemenarbeit
Zur Erfassung von Leistungszuwächsen und Kompetenzveränderungen wurde ein schulpraktisch verwendbares Instrumentarium erarbeitet. Hierzu gehören die Schulung von Selbstbeobachtung, Selbstzuschreibungen und selbststeuernde Eingriffe und der Erwerb von Beobachtungs- und Beurteilungskompetenz auf Seiten der Lehrenden und Lernenden.

Anstrengungsbereitschaft, Ausdauer, Zugewinn an Strategien und Techniken, Lerninteresse, Motivation sind bedeutsame Leistungsmerkmale.

Die übliche Leistungsbewertung muss deshalb ergänzt werden durch methodenbezogene Aussagen, durch Aussagen zum individuellen Fortschreiten, durch Aussagen zur erkennbaren Lernkompetenz, zur Bewährung in unterschiedlichen, vor allem sozialen Arbeitsformen und zur Persönlichkeitsentwicklung.

Das deckt sich mit den Aussagen des Rahmenlehrplanes für Schülerinnen und Schüler mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt Lernen. Es wird klar ausgesagt, dass in erster Linie der Lernzuwachs positiv bewertet wird. Ausgehend von der individuellen Lernausgangslage geht es um persönliche Rückmeldungen, die der Ansatzpunkt für weitere sonderpädagogische Förderung sind. Hierfür dienen verschiedene Methoden.

Um einen möglichst umfassenden Gesamteindruck von einem Schüler zu erhalten werden die verschiedensten Informationen im Schuljahr zusammengetragen.

Wir legen für uns die 4 folgenden Säulen einer ausgewogenen Bewertung fest:

Schüler beobachten

  • - Beobachtungsbögen, die grundsätzlich durch alle Lehrer in der Leitthemenarbeit geführt werden
  • - Fehleranalysen, z.B. durch die Bilderliste als Eingangsdiagnostik
  • - laufende Aufzeichnungen
  • - Schilderung des Schülerverhaltens in einer konkreten Unterrichtssituation
  • - Austausch mit anderen Lehrern
  • - Lerntagebücher
  • - Rückmeldebögen (fächerübergreifend)
Beurteilungsgrundlagen
  • - Projekte
  • - Experimente
  • - Tests
  • - Vorträge und Referate
  • - Gestalterische Arbeiten
  • - Schriftliche Aufgaben
  • - Präsentationen

Vergleichsarbeiten

  • - Tests auf Jahrgangsebene
  • - Zertifikate
    • - Lesekönig
    • - Rechenkönig
    • - Schwimmpass
    • - Fußgängerpass
    • - Fahrradpass
    • - Schülerpass
    • - Geräteschein (fortlaufend)
    • - Laubsägediplom
    • - Löt- und Brennpass
    • - Themenbezogene Nachweise (Haustierhalterpass, Gärtner, „Ich kenne die Uhr“)

Einschätzungen

  • - Selbstbewertung
  • - Wechselseitige Bewertung
  • - Portfolios
  • - Könnerhefter

 

 

W-P ® V2.49.6